Viola Beuscher at her studio

Viola Beuscher: Ein Ort für exploratives Arbeiten

Viola Beuscher at her studio

Journal
03-26

Fotografie

Jules Villebrandt

Viola Beuschert gründete ihr Keramikstudio 2018 im Frankfurter Bahnhofsviertel – ein Ort, an dem Handwerk, Ästhetik und Alltag zusammenkommen. Im Gespräch erzählt sie, wie ein ehemaliges Reisebüro zur durchdachten Werkstatt wurde, warum Ordnung und Schönheit für sie keine Gegensätze sind, was sie täglich antreibt und welche Rolle die Möbel von Wilde+Spieth in ihrem Studio spielen.

Dein Studio in Frankfurt wirkt wie eine sehr eigene Welt – fast wie eine eigene kleine Welt hier im Bahnhofsviertel. Wie würdest du die Atmosphäre deines Arbeitsraums beschreiben?

VB:    Bevor wir eingezogen sind, war ein Reisebüro in der Fläche. Durch die großzügigen Fenster und das tolle Holz der Rahmen war mir sofort bei der Besichtigung klar, dass diese Räume sehr besonders sind. Weil ich eine sehr ordnungsliebende Person bin und klare Strukturen und Prozesse schätze, ist das Studio auch so geplant und aufgebaut worden. Jeder Arbeitsschritt hat seinen Platz, das Studio ist sehr monochrom gehalten in seiner Farbgebung und dazu gibt es aber hier und da einen Materialmix durch beispielsweise die Kombination aus unbehandeltem Fichtenholz und italienischen Fliesen in der Küche. Dazu sind alle Schränke außer den Produktregalen verschlossen, damit unsere Keramiken zu 100 % im Vordergrund stehen, egal, in welchem Prozessstadium sie sind. Die Einrichtung ist so geplant, dass der Raum Ruhe ausstrahlt und trotz der vielen Arbeitsbereiche sehr viel Fokus gibt.

Wie wichtig ist dir der Raum selbst für deinen kreativen Prozess, ist er eher Werkstatt oder auch Bühne für deine Arbeit?

VB:    Funktionalität ist mir sehr wichtig, und deswegen ist unsere Werkstatt auch darauf ausgelegt, eine Werkstatt zu sein. Aber ich finde, Funktionalität darf auch immer gleichzeitig mit Ästhetik existieren – das ist für mich sogar Prämisse an meinem Arbeitsplatz. An wenigen Orten verbringe ich so viel Zeit wie hier und aus diesem Grund ist das Studio in all seinen Ecken auch immer eine Bühne für unsere Arbeit. Ich weiß natürlich ganz genau, dass ich mit meiner Ordnungsliebe nerve, aber ein schöner Ort tut so gut, wenn man so präzise und fokussiert arbeitet wie wir.

The S 38/S1 stool at Viola Beuschers studio
The S 197 R20 Swivel Chair at Viola Beuschers desk
The S 197 R20 Swivel Chair at Viola Beuschers desk

Gibt es ein bestimmtes Möbelstück oder eine Ecke im Studio, die für dich besonders zentral ist?

VB:    Ich verbringe sehr viel Zeit an unseren Öfen, weil ich diejenige bin, die die Produkte vor diesem letzten Produktionsschritt des Brennens noch mal anschaut und in den Ofen einräumt. Hier hört man die Vögel im Hinterhof zwitschern, unser Hund flitzt vorbei und ich höre das Surren der Töpferscheiben. Obwohl man an diesem Platz mitten in der Werkstatt steht und auch sehr ansprechbar ist, ist das auch mein Ort der 100%igen Konzentration. Ich halte noch mal jedes Stück in der Hand, bevor ich es für den Brand freigebe, und das ist immer wieder ein Moment der absoluten Wertschätzung für das, was wir gemeinsam herstellen. Deswegen stelle ich mir manchmal auch einen Hocker an den Ofen und nehme meinen Laptop mit und arbeite an dieser Stelle.

Welcher Part an deiner Arbeit macht dir besonders Spaß und welcher nicht?

VB:    Das hat sich in den letzten Jahren sehr verändert! Während ich am Anfang vor allem das Arbeiten an der Töpferscheibe über alles geliebt habe, schätze ich mittlerweile einfach das kreative, aber auch strategische Arbeiten sehr. Dazu Überlegungen, wie die Firma sich weiterentwickeln kann, die Entwicklung von Visionen – das habe ich für mich dazugewonnen. Mein Tag ist immer so strukturiert, dass ich von 08:00 bis 13:00 Uhr im Büro bin oder Termine wahrnehme und ab 14:00 Uhr bis in den Abend hinein in der Werkstatt bin. Ich liebe die Kombination daraus. Gleichzeitig sehe ich mich herausgefordert durch die Geschwindigkeit der Themen, die ich täglich bearbeite. Ich bin fester Bestandteil unserer Werkstatt und leite gleichzeitig das Unternehmen. Der dadurch entstehende Zeitdruck und das Gefühl, dass man am Ende des Tages nie genug getan hat, ist manchmal nicht einfach zu akzeptieren.

The S 38/S1 stool at Viola Beuschers studio
Detail of Viola Beuschers studio
Detail of Viola Beuschers studio
Detail of Viola Beuschers studio
Viola Beuschers studio

„Ich finde, Funktionalität darf auch immer gleichzeitig mit Ästhetik existieren – das ist für mich sogar Prämisse an meinem Arbeitsplatz.“

Viola Beuscher
The S 38/S1 stool at Viola Beuschers studio

In deinem Studio finden sich seit letztem Jahr die Möbel von Wilde+Spieth. Was hat dich an der Marke und ihrer Designsprache besonders angesprochen? Was schätzt du im täglichen Umgang an den Möbeln?

VB:    Die Funktionalität und die Ergonomie beim Sitzen! Nach einem Jahr wirklich unentbehrlich und selbst unser Büroteam, das erstmal kritisch war gegenüber den hölzernen Drehstühlen, möchte nicht mehr wechseln! Die Stapelbarkeit und das geringe Gewicht der Hocker sind für uns sehr wichtig im alltäglichen Gebrauch. Wir können sie super gut hin und her tragen und wer schon mal in einer Töpferei gearbeitet hat, weiß, wie schmutzig es wird. Sie werden jeden Tag gesäubert und es macht ihnen überhaupt nichts aus. Das ist fantastisch! Die Hocker können einfach herumgeräumt werden und sind überhaupt nicht angegriffen durch die tägliche Säuberung. Das ist für uns neben dem ästhetischen Aspekt natürlich der größte Pluspunkt. Nichts anderes würde an dieser Stelle passen, denn unser Kursraum verwandelt sich einmal die Woche in unseren Showroom. Und dafür müssen auch die Hocker umziehen und gut zu verstauen sein.

Dein Studio ist zugleich Produktionsort, Ausstellungsfläche, Workshoport und Treffpunkt. Wie habt ihr es geschafft, dass der Raum und die Einrichtung alles mitmachen?

VB:    Ich glaube, das Wichtigste ist, dass alles einen Platz hat und dieser Platz am Ende des Tages immer wieder eingenommen wird. Es gibt also eine klare Ordnung im Studio. Dazu haben wir nur Möbel und Interieur, die eine robuste Materialität mitbringen. Denn durch den Feinstaub wird bei uns alles mindestens einmal am Tag feucht gereinigt. Außerdem bin ich ein absoluter Fan von Rollen: Damit wir langfristig körperlich arbeiten können, sind bei uns die meisten Möbelstücke auf Rollen. So können sie einfach verschoben werden und sind leichter beweglich.

The SB 68 Bar Chair at Viola Beuschers studio
The SB 68 Bar Chair at Viola Beuschers studio