Stefan Marx: Das Beste ist das Zeichnen

Journal
02-22

Fotografie

Jules Villbrandt

In seinem Berliner Atelier in Reinickendorf teilt Stefan Marx einen Arbeitsraum mit Musikerinnen und bildenden Künstlerinnen. Der Schreibtisch steht mal hier, mal dort – immer im guten Licht, immer flexibel. Im Gespräch erzählt Stefan Marx, wie der Alltag im Studio aussieht, warum Schwarz-Weiß die erste Wahl bleibt und Farbe dennoch eine große Rolle spielt – und weshalb ein alter, gelber Klappstuhl aus dem Jahr 2001 bis heute zum Inventar gehört.

Wo bist du, und wie sieht dein Atelier aus?

SM    Hier sind wir in meinem Arbeitsraum in Berlin Reinickendorf. Wir haben hier eine Studiogemeinschaft mit Musikerinnen und bildenden Künstlerinnen. Der Schreibtisch steht mal hier mal dort, meistens aber im guten Licht und auch mitten im Raum. Durch die Arbeiten an großen Formaten muss im Studio alles flexibel gehalten werden. Es ist wichtig, den Schreibtisch auch mal kurzfristig abbauen zu können, um größere Werke in der Horizontale zu bearbeiten. Ein kleiner, zusätzlicher Arbeitstisch kann zudem aufgebaut werden.

Was machst du am Schreibtisch, und wie sieht dein Alltag aus?

SM    Am Schreibtisch sitze ich meist zum Zeichnen und Malen, zum Schreiben und zum Telefonieren. Manchmal zu zweit um Kaffee zu trinken oder irgendwelche Arbeiten am Laptop zu erledigen. Aber meistens zeichne ich dort, das ist immer noch das Tollste. Mein Alltag sieht recht verschieden aus, ich bin auch oft zu Hause am Zeichnen, dort habe ich einen zweiten Arbeitsplatz. In den Pausen gehe ich meist etwas raus, unterhalte mich mit den anderen Künstlerinnen oder Musikerinnen hier im Haus oder hänge etwas auf dem Sofa rum.

Du bist bekannt für großflächige Schwarz-Weiß-Arbeiten, arbeitest aber auch viel mit Farben. Wie triffst du deine Farbentscheidungen?

SM    Grundsätzlich liebe ich es, Dinge einfach zu zeichnen oder auszudrücken, und Schwarz-Weiß ist dann meine erste Wahl. Daneben habe ich viel Spaß mit Farben, das kann ganz unterschiedlich ausfallen. Früher habe ich viel mit Aquarellfarben gearbeitet, seit 2016 zeichne ich z.B. Landschaften in einer umfänglichen Farbpalette der Pastellkreiden. Seitdem ich Monotypien mache, benutze ich viele Farbtöne, die ich aus reinem Pigment anmische. Diese verstärken oftmals die Schriften und Wortarbeiten in einer bestimmten Art und Weise.

Kreatives Chaos oder strukturiertes System?

SM    Am liebsten strukturiert — das Chaos spielt sich woanders ab. Da hilft es, die Umgebung einigermaßen ordentlich zu gestalten und mit Struktur zu versehen. Ich liebe es aufgeräumt und die schon gemachten Arbeiten nicht mehr zu sehen, dann gibt es mehr Raum, um neue Dinge anzugehen und eine klarere Sicht auf die Zukunft zu haben.

„Ich liebe es aufgeräumt und die schon gemachten Arbeiten nicht mehr zu sehen, dann gibt es mehr Raum um neue Dinge anzugehen.“

Stefan Marx

Wonach wählst du die Möbel für dein Atelier aus?

SM    Die Möbel sollten funktional sein und gut aussehen. Designklassiker schaffen es sofort, aber auch junge Möbelideen aus meinem Freundeskreis sind im Studio zu finden. Und ein alter, gelber Klappstuhl, den ich 2001 schon vor dem Sperrmüll gerettet habe, ist auch noch mit dabei. Irgendwie mag ich den.

Was darf an deinem Arbeitsplatz nicht fehlen?

SM    Papier, Licht und Ruhe.